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 Vietnam 6. August – 29. August 2010

 

ML:

Weiter geht’s… Wir haben drei Wochen Vietnam vor uns. Mit einem fahrenden Kühlschrank(=Bus) reisen wir von Phnom Penh nach HCMC (Saigon). Unser Guesthouse liegt in einer winzigen Gasse im Touristenviertel De Tham. Der Preis von 10$/Nacht ist in Ordnung, andere Reisende haben von höheren Kosten berichtet. Das Zimmer ist eigentlich auch ganz schick, bis auf den Fakt, dass das schuhkartongroße Fenster für eine klaustrophobische Bunkerathmosphäre sorgt. Dazu muss gesagt werden, dass ich morgens Licht brauche, um in die Gänge zu kommen. Fehlt selbiges, kann es schon mal vorkommen, dass ich etwas länger schlafe. Mein Rekord in dem Zimmer liegt bei 13 Stunden nonstop-Schlummer.

Die ersten Eindrücke von Saigon: Eine Stadt voller Kontraste. Einerseits sieht man ständig Symbole des Sozialismus. Fahnen und Plakate mit rotem Stern, Hammer und Sichel, große Bilder von Ho Chi Minh und unzählige Banner mit Parolen der Partei. Andererseits diese Stadt, wie sie kommerzieller und kapitalistischer nicht sein könnte – was wohl der alte Marx dazu gesagt hätte? Die sozialen Unterschiede scheinen enorm. Einerseits Luxushotels und teure Nobelkarossen, andererseits Bettler und arme Straßenverkäufer. Von der politischen Lage bekommt man als quasi-Tourist nicht viel mit. Die Leute reden nicht über Politik und die (englischsprachigen) Medien sparen das Thema auch eher aus. Aufgefallen ist mir, dass Facebook in Vietnam streikte. Angeblich wegen technischer Probleme, hinter vorgehaltener Hand wird aber die Regierung dafür verantwortlich gemacht. Allerdings ist das Ganze fast lächerlich einfach zu umgehen (alternativen DNS – Server eingeben, oder sich das Youtube-Video bzw. die Onlineanleitung dazu anschauen).

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Bemerkenswert ist der Verkehr. In den anderen Metropolen Südostasiens war das ja schon krass, aber das hier toppt bisher alles. Verkehr findet hier hauptsächlich in Form von Motos statt. Gegen Nachmittag werden es immer mehr, bis das Spektakel gegen 17 Uhr seinen Höhepunkt findet. Das Überraschende ist, dass ich hier im Gegensatz zu z.B. Bangkok keine Staus gesehen habe. Irgendwie läuft es trotzdem, scheinbar wird der Quadratmeter Straße mit Motos effizienter ausgenutzt, als mit Autos. Viele der Fahrer haben Atemschutzmasken vorm Gesicht. So ganz erschließt sich mir der Sinn dieser Maßnahme nicht, aber es wird mit der Luftverschmutzung zu tun haben. Und die gibt es hier. Ich bin aus sportlichen (und finanziellen) Anreizen einmal ca. 7 Kilometer durch die Stadt gewandert. Zur Rush Hour hin wird der Verkehr immer mehr und die Luft immer schlechter bis man das Gefühl hat, wirklich gesundheitsgefährdenden Mengen an Abgasen ausgesetzt zu sein.

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AS:

Als Fußgänger in Saigon ist man trotz der vielen Motos eigentlich auf der sicheren Seite. Man darf nur keine Angst zeigen oder versuchen eine Straße schnell zu überqueren. Das hätte fatale Folgen. So etwas wie Zebrastreifen oder Fußgängerampeln sind hier vollkommen überflüssig. Man muss einfach nur in einer geraden Linie über die Straße gehen. In einem anhaltendem Tempo. Dann können die Motofahrer abschätzen wie sie die Todesmutigen am besten umschiffen können. Schließlich wäre das Moto nach einem Zusammenstoß ja auch lädiert und das wollen die Fahrer natürlich vermeiden. 

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ML:

Etwas zum Geld. Die vietnamesische Währung heißt Dong und der Wechselkurs ist momentan etwa 1 zu 25.000. Der erste Besuch einer vietnamesischen Bank machte mich gleich zum Multimillionär. Eine tolle Sache - als Bafögmillionär in Vietnam. Die teilweise sehr niedrigen Preise unterstützen das Gefühl. Wenn man sich etwas von den Touristengebieten entfernt, gibt es zum Beispiel  Bia Hoi (ein lokales Bier) für 2000 Dong/Glas. Das wären umgerechnet 8 Eurocent. Für einen Euro kann man also schon eine Menge Spaß haben.  Man kann aber auch so lustige Sachen machen, wie sich eine Rolle kleiner Geldscheine zulegen. Der kleinste Schein ist 500 Dong, etwas weniger als ein Cent.  Das Geld eignet sich auch prima als Lesezeichen oder zum Flüssigkeiten aufsaugen (falls man mal was von dem billigen Bier verschüttet hat). Die Vietnamesen haben was das Geld betrifft auch so ihre Marotten. Zumindest die größeren Scheine sollten sich besser in einem tadellosen Zustand befinden. Sobald auch nur der kleinste Riss oder sonstige Unstimmigkeiten vorhanden sind, wird das Geld abgelehnt. Das ist mir sogar mit frisch von einer Bank geholten Scheinen passiert.

 

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Diese Rolle Geld habe ich gegen ein Eis und eine kleine Flasche Wasser eingetauscht.

 

 

Einige Sehenswürdigkeiten gibt es hier natürlich auch, Wir haben uns das War Remnants Museum angesehen, in dem an die Geschichte der  Indochinakriege, besonders des Vietnamkriegs in den 60er und 70er Jahren erinnert wird. Dass das Ganze natürlich politisch eingefärbt ist, sollte von vornherein klar sein, doch lohnt sich ein Besuch und der Blick auf eine andere Sichtweise der Dinge. Vor dem Museum ist von der US-Armee erbeutetes Kriegsgerät zu besichtigen.

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Innen geht es recht drastisch zu Sache. Die von den Amerikanern begangenen Kriegsgreul werden hemmungslos dargestellt. Neben Fotos und allerlei Waffen und Minen werden auch die Folgen der systematischen Vergiftung der Natur (Agent Orange) angeprangert. Aber muss man dazu missgebildete Embryos in Glasflaschen sehen? Wie auch immer, Franzosen und Amerikaner haben hier zweifellos schmutzige und niederträchtige Kriege geführt, um ihren Einfluss in der Region zu erhalten. Natürlich werden in dem Museum nur die fremden Untaten gezeigt und das so drastisch wie möglich. Eigene Fehler wird man sich an so einem Ort nicht eingestehen.

AS:

In den oberen Etagen des Museums gibt es eine Fotoausstellung und die Geschichten einiger Krisenreporter werden erläutert. Das ist recht aufschlussreich und ich hätte mich gern noch ein wenig damit beschäftigt. Hätte! Wären die Museumsangestellten nicht so dreist pünktlich um 5 einfach mal das Licht auszumachen und die übrig gebliebenen Touristen mit Taschenlampen zu den Ausgängen zu scheuchen.

ML:

Ansonsten kann man in Saigon wirklich ein wenig verlorengehen. Das Herumlaufen in der Stadt bietet so vielfältige und abwechslungsreiche Eindrücke, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Abends gibt es in De Tham unzählige Bars und Restaurants aller Couleur, je nach Preisklasse mit mehr- oder weniger einheimischen Besuchern. Schön finde ich auch die Art, wie die Vietnamesen ihre Abende verbringen. Es gibt Parks und größere Flächen, auf denen gemeinsam Sport gemacht wird (so was wie Aerobic), oder man tanzt gemeinsam zu einheimischer oder westlicher Musik. Auf jeden Fall sieht man am Abend  Alt und Jung  gemeinsam draußen Zeit miteinander verbringen. Das Ganze völlig friedlich und ohne (sichtbare) Alkoholexzesse.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Gerade wo Massen von offenbar steinreichen Touristen im Spiel sind, zeigen sich die oft weniger angenehmen Seiten einer Stadt. Dass ständig versucht wird Touristen finanziell zu schröpfen, ist ja schon normal. Manchmal wird das mit Schröpfen aber etwas zu wörtlich genommen.

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Immerhin ging’s meinem Rücken danach für ein paar Tage besser, allerdings hatte ich noch tagelang dieses Leopardenmuster auf der Haut.

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Wenn man durch das Touristenviertel läuft, wird man ständig angesprochen und zu einer Cyclo oder Motofahrt animiert – soweit nichts Neues.  Das Cyclofahren habe ich einmal ausprobiert, die Verlockung war einfach zu groß. Mein Fahrer war schon recht alt und fuhr im Schneckentempo durch die Stadt – am liebsten hätte ich ihn durch die Gegend gefahren.

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Beim Sitzen in einem Restaurant oder einer Bar an der Straße kommen ständig Verkäufer und wollen einem Bücher und Kleinkram verkaufen – auf Dauer auch recht nervig. Aber wehe Mann ist abends einmal alleine unterwegs. Solange man in weiblicher Begleitung ist, hat man nur die üblichen Nervereien. Aber alleine gestaltet sich der Gang durchs Viertel zum Spießroutenlauf. Auf einmal wollen einem alle Motofahrer Drogen andrehen - und viel schlimmer - die Damen vom horizontalen Gewerbe werden richtig aufdringlich. Da wird einem schon mal mit dem Moped der Weg abgeschnitten und man wird zum BumBum aufgefordert. Oder das Mädel läuft ewig neben einem her und nimmt das klare Nein als Aufforderung, einem an der Hand Richtung Freudenhaus zu zerren.

AS:

Da bin ich doch ganz froh, dass ich von solchen Begleiterinnen allein gelassen wurde. Abends passiert in Saigon so Einiges was dem durchschnittlichen Mitteleuropäer ein wenig befremdlich vorkommen mag. An einem unserer ersten Abende saßen wir beispielsweise vor einer Bar und gönnten uns ein Bier. Die Bar an sich war schon witzig genug. Es gab für umgerechnet nicht mal fünf Euro eimerweise Whiskey. Der Blick an den Nachbartisch hat mich aber dann doch noch mehr beeindruckt. Dort saß eine Gruppe älterer vietnamesischer Männer und trank und rauchte… ein Staubsaugerrohr! So eine knapp einen Meter lange, recht auffällige Bong direkt an der Straße zu rauchen, fand ich jetzt schon ein wenig, sagen wir mal, unerhört.

ML:

Wir haben irgendwie viel zu viel Zeit in Saigon verbracht. Am Ende sollten es 10 Tage werden. Obwohl die Stadt interessant ist, war das bei einem Zeitbudget von nur drei Wochen mehr als unvernünftig. Das lag allerdings zu einem großen Anteil an unserer Arbeit. Der Plan war, hier so viele Interviews wie möglich zu führen, um dann einigermaßen beruhigt den Rest des Landes erkunden zu können. Leider liefen unsere zahlreichen Interviewanfragen regelmäßig ins Leere. Woran das genau lag, ist mir schleierhaft. Die wenigen Leute, die uns geantwortet haben, schienen unter einem erheblichen Zeitdruck zu stehen. Politische Motive wären allerdings auch keine Überraschung für mich. Vielleicht hatten wir auch einfach nur Pech.

Wie gesagt, die Zeit verfliegt hier recht schnell und das allerorts verfügbare Internet lädt zum Verweilen und Zeitvertreiben ein.

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Da zieht man mal wieder planlos seine Runden durch das Stadtgewusel und wen trifft man? Seine Kommilitonin bei der Arbeit – so isses recht…

 

 

Nach fast 10 Tagen haben wir die Nase voll und planen die Stadt zu verlassen. Erst mal geht es aber noch für einen kurzen Abstecher in das Mekongdelta. Die Tour war (meiner dunklen Vorahnung entsprechend) sehr touristisch, aber immerhin hatten wir einen unterhaltsamen Tourguide, der ständig über die Amerikaner herzog und am Ende noch wertvolle Ratschläge für Besuche in Vietnams Freudenhäusern gab.

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Dieses Huhn hat tatsächlich grad ein Ei in einen vietnamesischen Hut gelegt.

 

 

 

AS:

Ich fand unseren Ausflug ins Delta recht unterhaltsam. Wir haben unter anderem eine Kokosnussbonbonfabrik besucht und konnten da auch Kokoswein probieren. Was die als Wein anpreisen, fällt bei mir definitiv in die Sparte Likör. Das Zeug war echt nicht von schlechten Eltern. Und eine Schlange zum Umhängen gabs auch noch.

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 ML:

Was macht man nach so langer Zeit in einer Betonwüste wie Saigon? Richtig - erst mal ans Meer! Wir haben uns dafür Mui Ne auserkoren. Die Vietnamesische Küste ist wirklich ein Paradies – es würde sich lohnen hier viel mehr Zeit zu verbringen – idealerweise mit eigenem Auto oder Motorrad. Mui Ne ist bekannt für seine Sanddünen und tatsächlich – als wir mit dem Fahrrad die Dünen erkunden kommt ein wenig Sahara-Feeling auf. Die Dünen kann man prima dazu missbrauchen um mit einem Schlitten hinunterzufahren oder kleine gelbe Plastikenten zu verstecken. Das Wüstenerlebnis wird noch von den hier zahlreich wachsenden Kaktusbüschen unterstützt. Man sollte abends also aufpassen wo man reinfällt.

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AS:

Am Abend machen wir uns auf in eine Bar am anderen Ende der Stadt. Hier gibt es gute Musik, nette Leute und natürlich schon wieder ein paar Getränke. Als ich beschließe, dass es für mich an der Zeit ist zu gehen, schwinge ich mich leicht beschwipst auf mein Fahrrad und fahre zu unserem Guesthouse. So zumindest war mein Plan. Es gibt in dieser Stadt eigentlich nur eine Straße, die auf der Strandseite von riesigen Resorts und auf der anderen Seite von kleinen Gueshouses und Restaurants beherrscht wird. Man kann sich also nicht verfahren! Es sei denn man heißt Anja und sitzt leicht beschwipst auf einem Fahrrad ohne Licht und versucht seine Bleibe ausfindig zu machen. Im Dunkeln sieht jedes Hotel gleich aus und meine Orientierung lässt mich völlig im Stich. Irgendwann (viel zu spät) fällt mir auf, das ich vor geschätzten zwei Kilometern an unserem Guesthouse schlichtweg vorbei gefahren sein muss. Die einzigen Leute die ich treffe sind drei russische Urlauber, die mir leider auch nicht weiterhelfen können. Irgendwann hab ichs dann aufgegeben, bin umgedreht und zurückgeradelt. Und siehe da: unser Gasthaus, versteckt zwischen etlichen anderen die genauso aussehen.

Den Tag darauf haben wir am Strand verbracht. Diesmal ganz ohne Quallenangriffe. Ich lieg da also im Sand, lass mir die Sonne auf den Rücken scheinen und lese. Irgendwann wende ich meinen Blick von meinem Buch ab und schaue zufällig auf meine Beine. Hmm, was sind denn das für komische schwarze Punkte an meinen Knöcheln und warum haben diese „Punkte“ rote Hinterleibe und werden immer größer. Achso, das sind irgendwelche Viecher die grade über mich herfallen und nach meinem Blut trachten! Flöhe, nehm ich mal an. Die juckenden Stiche haben mir Wochen später noch schlaflose Nächte beschert.

ML:

Nach viel zu kurzem Aufenthalt ziehen wir weiter ins Hochland nach Da Lat. Anja hat sich mit einer Freundin verabredet, die auch gerade durch Vietnam tourt. Wir hatten mal wieder viel zu wenig geschlafen und hofften auf etwas Erholung bei der Busfahrt. Aber daraus wurde nichts. Der Minibus fuhr über eine Piste von stattlichen, in Asphalt eingerahmten, Schlaglöchern. Man wurde im Bus ständig durch die Luft geschmissen und musste aufpassen, dass man sich nicht wehtut. Ich werde mich nie wieder über deutsche Straßen beschweren. Da Lat liegt auf über 1500m Höhe. Das hat den Vorteil, dass hier guter Kaffee wächst und die Temperaturen endlich mal erträglich sind. Abends wurde es beinahe schon frisch – ich konnte aber immer noch im T-Shirt rumlaufen ohne zu frieren. Die Einheimischen zogen es derweil vor, sich in dicke Jacken zu hüllen – die sollten mal im Winter nach Deutschland kommen!

In Da Lat kann man vorzüglich vegetarisch essen und Touren in die Umgebung machen. Uns waren die Tourpreise allerdings etwas zu hoch und so machten wir unser eigenes Programm: Anja verbrachte einen Tag mit ihrer Freundin Nadiye und ich lieh mir ein Fahrrad aus, um irgendwie auf den nächten Berg zu kommen. Hätte ich nur gewusst, was ich mir vorgenommen habe. Im Endeffekt bin ich über 30km mit dem Fahrrad gefahren und mindestens 12 Kilometer marschiert, davon 6km bergauf. Kurz vor des Gipfels Spitze wollten meine Beine nicht mehr so richtig, aber ich habe mich dann doch irgendwie den steilen und rutschigen Pfad hinauf gemacht. Die Aussicht vom der Bergspitze (immerhin 2166m) wäre bestimmt toll gewesen, hätte sich nicht eine dicke Wolke dazu entschlossen hier zu parken. Beim hastigen Abstieg (es war kurz vor dunkel), eigentlich wars mehr ein kontrollierter Absturz, traf ich dann noch auf einen unerwarteten Anblick.  Mit einem Zebra hätte ich im vietnamesischen Hochland nun nicht gerechnet. Ich dachte zuerst, dass die Anstrengung vielleicht doch zu viel für mich gewesen war, aber das Tier wollte nicht verschwinden. Wie Anja mich später aufklärte, handelt es sich allerdings um ein Fake-Zebra. Viel logischer macht das die Sache aber auch nicht – warum lackiert man sich denn bitte ein Pferd zum Zebra um? Komische Menschen hier.

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AS:

Ich hab eine ganz wunderbare Zeit mit meiner ehemaligen Mitbewohnerin Nadiye verbracht. Wir waren im “Crazy House“, eine architektonische Mischung aus diversen Einflüssen. Ein wenig Hundertwasser hier, ein wenig Dali dort und um das Ganze abzurunden ein kräftiger Schuss von Tim Burtons Alice im Wunderland! In diesem wunderbaren Etablissement kann man sogar übernachten. Wir haben uns einige der Zimmer angesehen. Die Möbel waren alle irgendwie in die Zimmer eingearbeitet und nichts hatte rechte Winkel. Was ich am Verstörensten fand, waren die massiven Spiegel, die über jedem Bett hingen und ein riesiges Känguru mit rot leuchtenden Augen!

Am nächsten Morgen sind wir zwei dann zu einem der vielen Wasserfälle gefahren. Erst mit dem Taxi und dann weiter mit einer Sommerrodelbahn! Nadiye war erst recht skeptisch gegenüber diesem Transportmittel aber ich hab immer fleißig gebremst um ihr die Angst zu nehmen. Natürlich war der Ort mal wieder von Touristen überrannt, aber wir hatten trotzdem einen Heidenspaß! Jeder durfte mal vor dem Wasserfall posieren und zurück zum Taxi ging’s dann zu Fuß. Diesen Monsterhügel hoch. Ich mit meinen guten Wanderschuhen und alle Vietnamesen mit ihren Gummipantoffeln oder Flipflops. Die Damen natürlich wie immer in Stöckelschühchen. :D

ML:

Von Da Lat aus geht es dann weiter mit dem „Sleeping Bus“ nach Hue. Sleeping Bus heißt, dass man anstatt zu sitzen in einer kleinen Schlafmulde liegt. Selbige sind in drei Reihen angeordnet und wären sogar voll bequem, wenn ich 20cm kürzer wäre.

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Die Fahrt dauerte insgesamt 23 Stunden und man konnte sogar streckenweise schlafen. Dummerweise fahren die vietnamesischen Busfahrer wie Berserker und  dreschen dazu noch wie geistesgestört auf die Hupe ein. Das läuft dem Konzept eines SCHLAF-Busses leider ein klein wenig zuwider.

Hue war einmal Sitz des Kaisers (Nguyen Dynastie), der die Hauptstadt seines Reiches hier hin verlegte und eine riesige Zitadelle errichten ließ. Die alten Regierungsgebäude sind heute größtenteils zerstört, aber es gibt immer noch genug zu sehen, um einen Abstecher hier hin zu rechtfertigen. Besonders schön empfand ich gerade den verfallenen Zustand der Gebäude. Leider haben die Vietnamesen den touristischen Wert der Anlage erkannt und bauen an allen Ecken und Enden – in 10 Jahren wird man den Ort wohl nicht mehr wiedererkennen.

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Beim rumspazieren in der Zitadelle fand ich noch ein paar dieser possierlichen Tierchen.

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Nach einer Übernachtung geht es weiter nach Hanoi – wir müssen leider ein wenig durch das Land hetzen, weil wir in Saigon so viel Zeit verloren haben. Zudem ist Vietnam wirklich groß – oder besser lang. Die Entfernungen sahen auf der Landkarte irgendwie nicht so dramatisch aus.

Hanoi ist auch erst mal nur als kurzer Zwischenstopp auf dem Weg zur Halong Bay gedacht. Als wir dort ankommen, geht mir nur eines durch den Kopf – ich will hier weg! Ich kann es nicht genau erklären, aber die Stadt ist mir von Beginn an unsympathisch – laut, dreckig, hecktisch, hässlich. Zum Glück kann ich Anja überzeugen (trotz reisebedingter Erschöpfung) nicht hier  zu übernachten, sondern gleich weiter nach Cat Ba Island zu fahren. Cat Ba wurde mir in vorher von einem Chilenen wärmstens ans Herz gelegt. Es soll eine wunderschöne Insel direkt an der Halong Bay sein – er sollte Recht behalten.

Wir kommen nach einer Bus-, Boots–, Minibusfahrt in Cat Ba City an und checken in eines der erstbesten Hotels ein. Die Aussicht aus dem Hotelzimmer auf den Hafen ist einfach toll. Überhaupt ist das Hotel recht schick, auch wenn es seine besten Tage schon hinter sich zu haben scheint. Die Insel selbst ist wirklich sehenswert, uns wurde nicht zu viel versprochen.

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Das Hotelzimmer

 

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Trotz der schicken Location sind hier verhältnismäßig wenig westliche Touristen hier, davon aber wieder überraschend viele Deutsche.

Am nächsten Tag machten wir eine Bootstour in die Halong Bay.

Die Tour hatte recht viel Geld gekostet (für vietnamesische

Verhältnisse). Das erste seltsame Ereignis passierte schon bevor

es los ging. Unser Hotelmanager kam am Hafen mit einem Moto

angefahren und dirigierte uns zu einer anderen Gruppe Touristen

hin. Wie wir später erfuhren, hatte sich folgendes  zugetragen:

 

Wir hatten trotz des aufdringlichen Nachhakens unseres

Hotelmanagers die Tour bei einem anderen Office gebucht. Unser

Manager hat das leider herausgefunden und ist schnurstraks zum

Konkurrenten gelaufen. Er hat solange Ärger gemacht, bis die ihm

unser Geld gegeben haben. Quasi hatten wir dann also doch

(unfreiwillig) bei ihm gebucht. So etwas Gieriges ist mir noch

selten untergekommen. Ich hätte dem guten Mann hinterher auch

noch gerne erklärt, wer die Entscheidungshoheit über mein Geld

hat. Dummerweise war der Manager den für Rest unseres

Aufenthalts „verreist“.

 

Egal - die Tour fing recht idyllisch mit einer Bootsfahrt an – die

Natur hier ist wirklich einmalig schön. Anschließend ging es auf

eine kurze Kayakfahrt in eine der vielen Buchten. Beim

Mittagessen auf dem Boot fing es an zu regnen  - eigentlich nichts

ungewöhnliches, schließlich ist es ja auch Regenzeit. Nur dass

diesmal der Regen nicht wie üblich nach 1-2 Stunden aufhörte,

sondern ständig stärker wurde. Irgendwann goss es einfach nur

noch wie aus Kübeln. Dazu kam noch eine steife Brise, wie wir

später erfuhren, war das der Ausläufer eines Taifuns. Irgendwann

beschloss die Gruppe, die Sache abzubrechen.

 

Naja - sowas passiert, das Wetter hat man eben nicht in der Hand

und bisher hatten wir eigentlich immer ein Riesenglück damit.

Geärgert habe ich mich eigentlich nur über den gierigen

Hoteltypen.

 

Am nächsten Tag fehlte uns zunächst so ein bisschen das

Konzept. Bis ich auf die Idee kam, eine Motofahrt über die Insel

zu machen. Natürlich jeder mit seinem eigenen Moped, schließlich

ist es billig und ich kann nicht fahren. Die Idee, das Mopedfahren

auf einer Insel zu lernen ist ja bei mir nicht neu, nur auf Ko Thao

in Thailand war mein Selbstvertrauen noch nicht groß genug. Also

zwei Mopeds ausgeliehen – der Besitzer wollte weder

Führerschein noch Reisepass  sehen, nicht einmal wissen ob wir

überhaupt fahren können. Er gab uns die Dinger einfach. Das

Einzige was er sehen wollte, waren umgerechnet 4 Dollar. Zum

Glück hielt ich mich die ersten Meter wacker und blamierte mich

nicht allzu sehr vor dem Mopedverleiher. Nach einem etwas

unsicheren Start, fühlte ich mich innerhalb von einer Stunde wie

zuhause auf dem Teil. Und 90 Sachen bringt es auch, wenn man

sich duckt. Das Fahren über die Insel macht einen Heidenspaß,

man muss nur aufpassen, dass man der tollen Landschaft wegen

auch ab und zu auf die Straße schaut. Sicherlich gäbe es bessere

Strecken um das Fahren zu lernen. Vielleicht irgendwas ohne

Überschwemmungen, Steinschläge, Abgründe oder Ziegenherden.

Aber irgendwas ist ja immer. Und ich hatte ja nen tollen Helm auf

– im Gegensatz zu vielen anderen hier.

 

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Wir besuchten noch kurz die so genannte Hospital Cave. Eine

Höhle, die im Vietnamkrieg als Lazarett genutzt wurde. Selbst Hoh

Chi Minh war hier und hatte einige Zeit sein Lager  aufgeschlagen.

Unser vietnamesischer  Guide war, seiner Aussage nach, damals

auch dabei.

 

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 Unser Tourguide in der Hospital Cave

 

 

 

 

Ein weiteres Highlight auf Cat Ba ist das kulinarische Angebot.

Zumindest wenn man darauf steht exotische Lebensformen zu

vertilgen. In den Aquarien vor den Restaurants tummelt sich ein

faszinierendes Sammelsurium von Meerestieren.  Schildkröten,

Riesenkrebse, Schnecken, Muscheln usw. Dazu gibt es in Alkohol

eingelegte Schlangen, Echsen, Skorpione, Seepferdchen und 

vieles mehr.

 

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AS:

Auf unserer etwas aus dem Ruder gelaufenen Tour hab ich mich mit einigen netten Engländern angefreundet und beschlossen mit ihnen am nächsten Morgen den Sonnenaufgang am Strand zu bestaunen. Die hatten sich vorher auch erkundigt wann genau die Sonne aufgehen sollte. Blöderweise beim Falschen! Bei unserem supergierigen Hotelmanager. Als wir am Strand ankamen, war die leider schon über den Horizont geklettert, verbarg sich aber immernoch hinter einigen Felsen. Obwohl wir den Sonnenaufgang an sich verpasst haben, wars echt ein schöner Morgen und wann hat man sonst schonmal den Strand ganz für sich allein?!

 


ML:

Nach einigen schönen Tagen auf Cat Ba ging es zurück nach

Hanoi. Wir buchten die Tour über die Halong Bay, um uns noch

einmal daran sattzusehen. Auf dem Boot war es kochend heiß, ich

legte mich auf die glühenden Planken um ein kleines Video zu

drehen. Noch nie war ich dem Hitzschlag so nahe... .

 

Halong City ist eigentlich nicht wirklich schön, zum Glück waren

wir auf Cat Ba und nicht hier.

 

Zurück in Hanoi verlebten wir unsere letzten Tage in Vietnam. Wir

warteten auf unser Visum für Laos, das stolze 48 Dollar kostete.

Immerhin hat Hanoi doch die ein- oder andere schöne Ecke –

man muss nur danach suchen.

 

AS:

Unter Anderem gibt es hier Dönerbuden. Richtige Dönerbuden!

 

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2 Kommentare 13.10.10 15:25, kommentieren

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Kambodscha 16. Juli – 6. August 2010

 

 

AS:

Da waren wir also in Sihanoukville am Strand und in den Bars und haben es uns da eine ganze Weile gut gehen lassen. Es war recht nervig, ständig von Kindern belagert zu werden, die einem Irgendwas verkaufen wollten. Armbänder, Krempel, eine Beinenthaarung und weiß der Teufel nicht was alles.. (Ja, ich gebs ja zu, weil die Rasierer in Kambodscha und Thailand mehr einer Sense als einer Klinge ähneln, hab ich mir tatsächlich von 3 kleinen Kindern die Beine enthaaren lassen. Ich weiß, das ist moralisch verwerflich, ja ich bin ein schlechter Mensch!) Es gab auch einen recht einsamen Strand, Otres Beach genannt, an dem man seine Ruhe hatte. Blöderweise musste man da ein ganz schönes Stückchen zu Fuß hin marschieren. Da läuft man freilich am Strand lang und die liebe Sonne reflektiert wie bescheuert vom Wasser und am Ende hat man einen durchaus vorzeigbaren Sonnenbrand. Naja, irgendwas ist ja immer.

Einen Abend haben wir mit Billard ganz gut rumgekriegt. Außerdem gibt’s überall eine Happy Hour, das heißt im Klartext, das Bier kostet wieder nur 50cent. Je nachdem in welcher Bar man sich befindet, schließt diese Happy Hour auch andere Getränke mit ein. Zum Beispiel Wodka! Ihr könnt euch vorstellen, dass wir die Abende genossen haben. Der Letzte war dabei noch um einiges erfolgreicher. Wir haben eine Bar direkt am Strand gefunden, die hatte die beste Happy Hour EVER! Es gab den Wodka umsonst! Gratisausschank für mehrere Stunden.. Also nicht so wie man es aus der Heimat kennt, ein Glas pro Gast oder so, nein, soviel wie man in sich rein schütten konnte! Nun geht aber auch die längst Happy Hour irgendwann zu Ende und man muss für seine Getränke wieder selber zahlen. Nach einiger durchaus nachvollziehbarer Empörung, lassen wir uns also einen „Bucket“ bringen. Damit bezeichnet man hier eine  vollkommen vertretbar Darreichungsform vom Spirituosen mit Mische! In unserem Fall Wodka- Orange. Jetzt muss man sich so einen „Bucket“ folgendermaßen vorstellen: entweder man bekommt einen kleinen Plastikeimer oder eine abgeschnittene Colaflasche mit Eis und etlichen Strohhalmen vor die Nase gesetzt. Ich berichte das alles nur der Vollständigkeit halber, wir trinken/ betrinken uns bei weitem nicht jeden Tag!

ML: Ähhm, ja Shianoukville war prima, soweit ich mich erinnern kann…

Und lecker essen gabs da auch, das da nennt sich AMOK!

AS:

Unser nächstes Ziel hieß Kampot, ein kleines verschlafenes Örtchen ungefähr zwei Stunden von Sihanoukville entfernt. Unsere Reise dorthin war auch ein Kapitel für sich. Wir hatten das große Glück, als erstes vom Minibus abgeholt zu werden und somit freie Platzwahl. Nach und nach kamen noch die einen oder anderen Personen dazu, alle mit großen Rucksäcken oder Koffern. 17 Reisende plus Fahrer zwängten sich also in diesen winzigen Bus. Zwischen Fahrer und Beifahrer waren 3 Rucksäcke eingequetscht, hinten die Kofferraumklappe mit 2 Stricken festgezurrt, damit auch nix rausfällt. Markus hatte seine liebe Sorge seinen kleinen Rucksack vor der Abfahrt wieder auf seinen Schoß zu bugsieren. Der war hinten in dem ganzen Wust irgendwie verschütt gegangen. Die Fahrt an sich war, ich behaupte mal, unspektakulär. Es regnete irgendwann durch die Decke, es roch fies und jeder hoffte das sein Rucksack noch da sein würde, wenn wir irgendwann ankommen. Auf der Fahrt hab ich mich mit einem Mädel aus Kanada angefreundet, Kate. Sie hat seit einigen Monaten Freiwilligenarbeit in Kambodscha geleistet, allein in Phnom Penh gewohnt und alles Mögliche da gemacht. Könnt ihr euch vorstellen wie blöd ich geguckt hab, als ich mitbekommen hab, das die Gute erst 16 Jahre alt ist?! Da hab ich wirklich nicht schlecht gestaunt.

Kampot ist umgeben von wunderschönen Hügeln, Bergen, Reisfeldern und einen Fluss gibt es auch. Am ersten Abend dort, nachdem ich den Ort schon irgendwie ins Herz geschlossen hatte, begab sich Folgendes: Ich war auf dem Weg zurück ins Guesthouse und spazierte fröhlich ein Straße entlang, als mir plötzlich eine aufgeregte Frau von der anderen Seite der Straße entgegenrannte. Sie fuchtelte mit einer offenen Sodadose vor meiner Nase rum und versuchte mir auf kmer Irgendwas zu erzählen. Ich verstand natürlich kein Wort, sie sagte „OK“ und schnappte meinen Arm. Ich dachte mir, das geht zu weit, und schüttelte ihren Arm weg, sagte ihr, dass sie mich nicht anfassen soll und ging weiter. Keine 20 Sekunden später hörte ich direkt hinter mir Glas auf den Boden zerspringen. Ich drehte mich erschrocken um und stellte fest, dass die Olle tatsächlich eine Flasche nach mir geschmissen hat! Hackts? Was war denn das für eine Aktion? Ich hab mich dann erst mal nach Hause begeben und die Sache Markus berichtet. Ey, wenn die blöde Kuh mich getroffen hätte, ich hab keine Ahnung wie ich reagiert hätte. Schön wärs nicht gewesen!

Auch in diesem Ort haben wir uns mal wieder auf Fahrräder geschwungen.

ML:

Und auf was für welche. Ich hatte die Ehre den rostigen Drahtesel des Guesthouse-Besitzers zu bekommen. Das war bestimmt ein seltsames Bild für die Einheimischen. Ich glaube die halten uns Westler alle für so was wie Millionäre und dann kommt einer auf  so ner Rostlaube daher.

AS

Sogar mit einem erklärten Ziel. Wir wollten zu einer Höhle! Es gibt überall rund um Kampot lustige kleine und große Höhlen, eine davon mit einem großen Tempel drinne. Die mit dem großen Tempel haben wir zwar nicht finden können aber eine andere mit den Überresten einer Treppe, die mal zu einem Altar geführt hat. Auch nicht schlecht! Insgesamt acht Jungs begleiteten uns durch das Labyrinth von Gängen. Der Jüngste vielleicht 10 Jahre, der Älteste bestimmt 20 Jahre alt. Hin und wieder mussten wir auf allen Vieren durch die Gänge robben und an steilen Partien ganz schön klettern. Aber dafür sind wir uns ja nicht zu schade. An einem Teil der Höhle wuchs eine Wurzel durch die Decke und fast bis zum Boden. Auf der konnte man sogar schaukeln, wie ein Äffchen!

Außerhalb des Ortes gibt es einen National Park namens „Bokor“ und auf einem der Berge da, steht eine verlassene Ortschaft, die die Franzosen während der Besatzung gegründet haben. Als die Roten Khmer die Gegend allerdings in Beschlag genommen haben, wurde der Ort verlassen. Um dahin zu kommen, haben wir eine Tagestour gebucht. Wir waren gute zwei Stunden mit Wandern beschäftigt, hatten einen tollen Guide und einen Ranger dabei, der für unsere Sicherheit sorgen sollte. Das Gewehr das er dabei hatte, sah jetzt nicht so aus, als würde man sich darum sorgen, das wir von irgendwelchen wilden Tieren angegriffen werden aber sicher hab ich mich gefühlt!

Der gute Ranger hat ein ganz ordentliches Tempo an den Tag gelegt und der Aufstieg war recht anstrengend. Trotzdem hats mir einen Heidenspaß gemacht auf diesen Berg zu steigen (1080m immerhin). Oben gibt es zwar keinerlei Aussicht, was an dem dicken Nebel lag, aber die „Bokor Hill Station“ war echt beeindruckend. Das leer stehende Hotel/ Kasino ist die Hauptattraktion, es gibt aber auch eine Kirche und viele andere Gebäude. Irgendeine Firma hat vor ein paar Jahren das Areal gepachtet und ist jetzt dabei die Straße nach oben zu erneuern und den Ort wieder aufzubauen. Das Hotel/ Kasino soll wieder in Stand gesetzt werden und etliche Hotels sollen entstehen. Na Prima! Warum kapieren die Kambodschaner nicht, dass gerade der Prozess des Verfallens die Leute anzieht? Was dann mit dem National Park passieren wird, ist mir auch nicht ganz klar, wenn da hunderte Touristen hochfahren und da wohnen, wird vom Wald wohl nicht mehr viel übrig bleiben.

ML:

Das verlassene Hotel hatte es mir besonders angetan. Da oben herrschte eine einzigartige Atmosphäre. Zeitweise trieb der Wind die Wolken über den Hügel, so dass man seine eigene Hand vor Augen nicht sehen konnte und plötzlich taucht da dieses herrlich vermoderte Gebäude auf. Das Ganze liegt mitten in einem Naturschutzgebiet (Bokor National Park). Die oben genannte Firma baut derzeit eine Straße durch den Dschungel, die bis auf die Bergspitze reicht. Man sieht unzählige LKWs, Männer mit Presslufthämmern und dazu wird auch noch kräftig gesprengt. Unter anderem sollen ein Golfplatz und ein Luxusresort entstehen. Ein Hoch auf den Naturschutz!

AS:

Nach dem Abstieg, der für meinen Geschmack viel zu schnell ging, gab es noch eine Rivercruise. Also eine Bootstour bei Sonnenuntergang. Das war echt nett und anschließend sind wir noch mit einem  Pärchen aus der Schweiz und einem Paar aus Bremen Essen gegangen. Direkt am Fluss, richtig lecker und auch nicht zu teuer.

„Rabbit Island“ ist eine kleine Insel vor der Küste Kambodschas. Da hab ich einen Tag mit Horschti verbracht. Uns hats da echt gefallen: Palmen überall, nette Strände ohne nervige Kinder und auf der Bootstour dahin ein Seegang, der nicht von schlechten Eltern war. Mir ist, Gott sei dank, nicht schlecht geworden aber ich war danach klatschnass!

Den letzten Abend in Kampot haben wir an der Bar des Guesthouses verbracht. Ich vorm Lappy, Markus mit einem italienischen Paar  an der Bar. Als ich mich dann irgendwann ins Bettchen begeben wollte, meinte der Barkeeper „Dick“ allerdings, er würde uns noch ein Bier auf kosten des Hauses ausgeben. Da kann ich ja schlecht NEIN sagen. Später kam noch ein Ire, der Besitzer des Nachbar- Guesthouses, vorbei, mit dem ich mich ewig über Literatur unterhalten hab. Sein Sohn gesellte sich auch noch dazu und Dick, der Barmensch, war fleißig am Zapfhahn. Die Zeit verging, ich schielte hin und wieder mit schlechtem Gewissen zur Uhr, wir mussten ja am nächsten Morgen um 7 am Bus sein und gepackt hatten wir auch noch nicht. Dann fiel das Stichwort Pizza! Irgendwie endeten Markus und ich bei Vater und Sohn auf dem Moto und fuhren mit zur nächsten Bar. Dort gab es tatsächlich die genialste Pizza Südostasiens! Mittlerweile muss es so gegen 3 Uhr morgens gewesen sein und Dick tauchte auf. Wir wollten wenig später aber doch los und zumindest noch ein par Stunden Schlaf abgreifen. Also sind wir zurück zu unserer Bleibe, nur um festzustellen, das Dick das Tor vorbildlich verschlossen hatte.  Jetzt hatten wir die Möglichkeiten entweder durch den Stacheldraht zu kriechen oder Dick zu holen. Normalerweise hab ich ja keine Probleme mit Zäunen aber die Kombination aus zu viel Bier und Stacheldraht wirkt nicht sonderlich einladend. Wieder an der zweiten Bar angekommen, fragten wir Dick, wie wir denn nun da rein kommen sollen, schließlich hat er das Teil abgeschlossen. Seine Erklärung: „You have to sort of climb over and through it“! Ja, ne, is klar! Also waren wir gezwungen zu warten, bis der Gute sein Bier ausgetrunken hatte und uns dann (zu dritt) auf seinem Moto zurück zum Guesthouse fuhr. Ja, fuhr!! Es war so ungefähr halb 5, als wir völlig fertig ins Bett fielen und so gegen 6, als mein Handywecker mir sagte, dass es höchste Zeit war aufzustehen. Im dritten Anlauf hab ich dann auch Markus wach gekriegt.  Nach dem Packen folgte eine der schlimmsten Busfahrten bisher. Erst zurück nach Phmon Penh, dann zur vietnamesischen Grenze und dann weiter nach Saigon. Abends um halb 10 kamen wir endlich an und checkten völlig übernächtigt in das erstbeste Hotel ein.

Ml:

Noch was zu Kampot. Eigentlich ist der Ort optisch relativ unspektakulär. Abgesehen von den Bergen in der Ferne gibt’s nicht viel zu sehen und das Meer ist auch ein paar Kilometer weg. Bekannt ist der Ort allerdings für seinen Pfeffer. Der wird in der Umgebung angebaut und wirklich: er schmeckt um Klassen  besser als das olle Aldi-Zeugs zu Hause. Und wer mich schon immer dahin gewünscht hat, wo der Pfeffer wächst… Hier bin ich! Und mir gefällts auch noch! Sogar mit am Besten bis jetzt. Es gibt sehr wenig Touristen und ich hatte das Gefühl einmal das wirkliche Kambodscha zu erleben.  Wenn man unterwegs war, wurde man alle Nase lang von irgendwelchen Kindern mit „Hello Hello“ Rufen begrüßt und ist aus dem Winken nicht mehr herausgekommen. Ausnahmsweise wollten die einem mal nichts verkaufen, sondern haben sich einfach nur wie verrückt gefreut einen Westler zu sehen. Irgendwann ist man einfach nur mit einem Grinsen im Gesicht durch die Gegend spaziert (oder geradelt). Dazu gibt es ein paar echt abgedrehte Expats (Im Exil lebende Ausländer), die wirklich unterhaltsam und sympathisch sind.

Unser Hotel (Blissful Guesthouse) war wirklich toll, man kann hier locker ein paar Wochen totschlagen, wenn man will.

Allerdings ist Kambodscha auch nicht mehr das, was es früher mal war. Die gönnen einem wirklich keinen Spass mehr heutzutage...

Nach anderthalb Stunden Schlaf gings dann wieder zurück nach Phnom Penh und Richtung HCMC (Hoh Chi Minh City, im Folgenden der Einfachheit  halber Saigon genannt). Wir hatten etwa eine Stunde Aufenthalt in Phnom Penh. Das war klasse, wir waren echt im Eimer und wurden dann mittags direkt in dieses Chaos geworfen. Immerhin brauchten wir uns diesmal keine Gedanken um die lästigen TukTuk Fahrer machen. Die wurden von den Bediensteten des Busunternehmens mit Rohrstöcken verdroschen um sie von den Reisenden fernzuhalten. Irgendwie konnte ich mir eine gewisse Freude bei dem Gedanken nicht verkneifen. Das kann wohl niemand verstehen, der nicht wochenlang  unzähligen TukTuk - Angriffen standhalten musste.

Die Einreise nach Vietnam lief recht problemlos ab, obwohl wir an der Grenze ewig warten mussten, bis alle Formalitäten erledigt waren.

In Saigon fanden wir glücklicherweise schnell ein bezahlbares Hotel (besser - es fand uns). Endlich mal wieder liegen und am Schlafdefizit arbeiten.

Hier noch ein paar erste Impressionen aus Saigon, der ausführliche Vietnam-Bericht folgt…

1 Kommentar 18.9.10 16:43, kommentieren